Archive for the 'tourenbeschreibungen' Category

Das Morgenberghorn (2248,8 m)

Im Aktuellen Alpin der SAC sind verschiedene Berner Oberländer Gipfel beschrieben. So auch das Morgenberghorn.

Ausgangspunkt war Äschiried (Bushaltestelle)1’015 müM. Von da gings via Greberegg hinauf auf die Alp Brunni. Bis hierhin eine lockere Wanderung. Danach gehts steil bergauf bis auf dem Gipfel. Einige heiklere Stellen (T3 – T4) sind mit Stahlseilen gesichtert. Oben auf dem Gipfel mussten, wie immer wenn ein Gipfel im Alpin beschireben wird, fast Platzkarten gezogen werden. Die prächtige Aussicht über dem Nebelmeer ist gewaltig und atemraubend.
Für den Abstieg (T3) in östlicher Richtung hinab ins Sulgtäli brauchts nochmals gut 2 1/2 Stunden. Auch da hats eine Stelle die mit Stahlseil gesichert ist. Auf dem Rengglipass kann man auch gegen Saxtenen und weiter nach Wilderswil.

blick-zum-thunersee.jpg blicknachinterlaken.jpg blickzurbluemlisalpgruppe.jpg

Advertisements

Schmugglertour | Tag 2

Die 2. Etappe unserer Tour vom Jungfraujoch nach Italien führte von der Konkordiahütte bis nach Binn.

Abmarsch in der Morgendämmerung hinunter auf den Aletschgletscher, via Ausstieg Eggishorn/Märjelensee bis nach Fiesch.

Von Fiesch mit dem Auto nach Binn ins Binntal, wo wir uns erholen konnten und übernachtet haben.

dsc_0086.jpg dsc_0087.jpg

dsc_0090.jpg dsc_0093.jpg dsc_0100.jpg

dsc_0102.jpg dsc_0104.jpg dsc_0111.jpg

weitere Bilder findest du hier

Schmugglertour | Tag 1

Bergführer Roland Frutiger organisierte vom 13. – 16. September die Schmugglertour 07. Sie führt auf abenteuerlichen, verschlungenen und gefährlichen Pfaden vom Jungfraujoch bis nach Italien.

Der 1. Tag führte vom Jungfraujoch bis in die Konkordiahütte.

Start am Jungfraujoch Blick vom Jungfraujoch zur Konkordiahütte Bei traumhaft schönem Wetter marschieren wir angeseilt los, den Aletschgletscher hinunter. Vorbei an imposanten Gletscherspalten , den Blick verklärt, trotzdem hellwach an straffem Seil, die Schönheiten der Natur, aber auch die Gefahren vor Augen

.bild011.jpg bild012.jpg
Plötzlich ein Sturz in die Spalte! Am roten Seil hängend, um mich herum nur Eis. Über mir ein kleines Loch, das rote Seil und der stahlblaue Himmel. Die Ausmasse des Splates sind von Aussen nicht abzuschätzen. Der Spalt ist tief und furchterregend. Nicht auszudenken was in einem Ernstfall passieren kann. Angstlich fragt man sich;- hält der Knoten, können mich die Bergkameraden retten? Wissen sie wie sie mich hochziehen können? Kälte zieht hoch, ein Blick in die Tiefe, uff..

bild3.jpg bild4.jpg

Dann werde ich von den Kameraden hochgezogen. Das Bild zeigt den Blick aus der Spalte zu meinen „Rettern“. Der Spaltensturz war zwar nur eine Übung, er führte uns aber die Gefährlichkeit des Gletscherwanderns drastisch vor Augen. Roland erklärte uns ausführlich die einzelnen Schritte einer Spaltenrettung. bild6.jpgNicht nur Spalten, auch die Wasserläufe des Schmelzwassers – das sich tief in das Eis frisst, müssen überwunden werden, ohne sich nasse Füsse zu holen!

bild7.jpg Ein einsamer Gletschertisch auf dem Konkordiaplatz!

bild8.jpg bild9.jpg bild010.jpg

Am Fusse der Felswand zur Hütte hinauf, forderte eine steile Treppe einige Schweisstropfen bis wir endlich die Hütte erreicht haben. Eine atemraubende Aussicht und einen wunderschönen Sonnenuntergang liessen die Strapazen vergessen. Das Team der Konkordiahütte bereitete uns ein Menu, das sich selbst in einigen Schweizer Gourmet-Tempeln sehen lassen könnte!

more to come….

Ernstfall am Matterhorn

matterhorn_riffelsee_1552973.jpgEin Selbstversuch von Christoph Zürcher. Publiziert in der NZZ am Sonntag vom 9.9.07.

Es ist das berühmteste Stück Schweiz der Welt. Ausserdem ist es ein Berg, den Bergsteiger zu belächeln pflegen und von dem die anderen reihenweise herunterfallen. Eine Überlebensübung am Matterhorn.

Es ist morgens, was weiss ich, wahrscheinlich kurz nach sechs, Kaffee ist ersatzlos gestrichen, die Gnade von Schlaf wurde mir seit 24 Stunden nicht mehr zuteil. Aber ich bin so hellwach, als hätte mir jemand einen Eimer Eiswasser über den Kopf geschüttet.

Die Walliser Alpen um diese Tageszeit, das ist ein Hodler-Gemälde. Von hier oben auf fast 4000 Metern hätte man eine erstaunliche Sicht der Dinge. Nur leider fehlt mir im Moment die Musse, um die Erhabenheit der Natur richtig würdigen zu können.

Mein Herz rüttelt an meinen Rippen wie ein wild gewordenes Tier. Meine Hände sind gerade dabei, sich in etwas zu verwandeln, was mehr Ähnlichkeit mit Holz als mit menschlichem Gewebe hat. Ich schätze, es dauert höchstens noch eine Minute, bis sie völlig steif geworden sind. Der Krampf hat bereits alle, ausser den kleinen Fingern, in seine Gewalt gebracht. Und auch meine Beine machen eine beängstigende Entwicklung durch.

600 Meter runter

Vor allem das linke. Was ist denn mit dem los? Das Knie bewegt sich auf und ab wie die Nadel einer Nähmaschine. Tun lässt sich dagegen gar nichts. Und es ist vor allem nicht vorteilhaft, zu lange auf das zitternde Knie hinunterzustarren. Denn so lässt sich die unangenehme Tatsache noch schlechter verdrängen, dass es unter dem zitternden Knie 600 Meter sehr, sehr steil nach unten geht. Bisher hab ich eigentlich immer angenommen, ich sei schwindelfrei. Jetzt nicht mehr.

Schreien tun die, die stürzen, selten. Die Überraschung ist im ersten Moment grösser als der Schreck.

Ich klammere mich an den Felsen. Meine Kraft schwindet. Schnell. Handlungsbedarf ist offensichtlich. Den linken oder den rechten Fuss bewegen? Die rechte oder die linke Hand? Aber wohin?! Rauf? Runter? Aber vor allem: Wie? Oder ist es nicht doch das Beste, alles so zu lassen, wie es ist? Zumindest bis dieses verdammte Bein nicht mehr so zittert? Das Matterhorn ein Spaziergang?! Ha! Dann rutscht mein Fuss ins Leere.

Was hat der Hüttenwart gestern gesagt? 99 Prozent von allen, die vom Matterhorn stürzen, verlieren das Bewusstsein bereits beim ersten Aufprall. Na, wenigstens das.

Nirgendwo mehr Tote

Das Matterhorn ist der Berg, den Bergsteiger belächeln und von dem die anderen reihenweise runterfallen. Seit der Erstbesteigung im Sommer 1865 hat das «Horu» 500 Menschen umgebracht. Mehr Tote wurden bisher noch an keinem Berg der Welt gezählt.

Schon die Erstbesteiger, angeführt von Edward Whymper, einem jungen Graveur aus London, kamen nicht vollzählig wieder lebend runter. Am Anfang waren sie sieben, am Schluss noch drei. Rauf kamen die Engländer überraschend leicht. Oben auf dem Gipfel warfen sie triumphierend Steine auf die Italiener. Die hatten es am gleichen Tag von der anderen Seite her versucht. Sie wurden um ein paar Stunden geschlagen. Doch die Siegerlaune verging Whymper und seinen Leuten rasch.

Beim Abstieg rutschte ein Mann namens Douglas Hadow aus und riss drei weitere mit sich in die Tiefe, wo ein schneller Tod und langer Nachruhm auf sie wartete. Hadows Schuh ist heute im Matterhorn-Museum zu besichtigen. Eines muss man den Engländern lassen. Mut hatten sie. Der Schuh sieht nicht so aus, als sollte man damit vernünftigerweise etwas Steileres als eine Treppe in Angriff nehmen.

Die Erstbesteigung war symptomatisch dafür, wie es weiterging. Besonders makabre Verhältnisse herrschten am Matterhorn in den siebziger und den achtziger Jahren. Damals gab es schon mal 20 Tote in einem Sommer, an den vielleicht 40 Tagen, an denen der Berg überhaupt bestiegen werden kann. Seit dann ist es zwar besser geworden. Doch auch heute noch bleibt das «Horu», auch auf der einfachsten Route über den Hörnligrat, eine erstaunlich mörderische Tour.

Statistisch gesehen sollte jeder 200. vorher besser sein Testament aufsetzen. Eine Besteigung des Matterhorns ist so lebensgefährlich wie ein Jahr lang als amerikanischer Soldat im Irak zu dienen. Das Matterhorn ist nicht nur das berühmteste Stück Schweiz, es ist auch der Ort, wo in der Schweiz schon mehr Menschen einen gewaltsamen Tod gestorben sind als irgendwo sonst.

«Alles o. k.?»

Aber nicht ich! Mein Fuss kommt überraschenderweise nicht erst in meinem Grab, sondern bereits zehn Zentimeter weiter unten wieder zum Stehen. Wie sich herausstellt, auf einem Haken, den ich vorher übersehen hatte. Von oben kommt eine Stimme. «Alles o. k.?» «Alles o. k.», sage ich in der grösstmöglichen Ruhe, die ich im Moment aufzubringen imstande bin.

Eine Minute später stehe ich fünf Meter weiter oben neben Bettina, meiner Bergführerin. Am Horizont geht gerade die Sonne auf. Bettina schaut wie immer zuversichtlicher als ein Enzian. Vor die Wahl gestellt, mich einem Bergführer oder einer Bergführerin anzuvertrauen, brauchte ich keine Sekunde zu überlegen. Frauen haben mehr Nachsicht. Was ich erst nachher realisierte: Dafür blamiert man sich vor ihnen schneller.

In der Schweiz gibt es fast 1500 Bergführer. Bergführerinnen gibt es gerade einmal 25. Ihre Ausbildung ist gleich hart wie die der Männer. Sie müssen die gleich schweren Rucksäcke tragen, durch die gleich steilen Wände klettern und die gleich kalten Nächte im Biwak überstehen. Die Bergführer-Ausbildung dauert drei Jahre. Drei Viertel der Kandidaten geben vorher auf.

Doch Bettina ist leider nicht einfach nur Bergführerin. Sie ist auch noch die Präsidentin des Zermatter Bergführer-Vereins. Neben Grindelwald und Chamonix gibt es keinen prestigeträchtigeren Klub in den Alpen. Bergführer in Zermatt, das ist wie Skilehrer in Aspen oder Surf-Instruktor auf Hawaii. Das ist die globale Outdoor-Elite.

War schon klar, dass das Matterhorn wohl eine gröbere Übung werden würde. Das Wildeste, auf dem ich bisher war, ist das Allalinhorn. Aufs Allalinhorn kommt jeder 80-Jährige, der noch nicht an Krücken geht. Trotzdem: Noch so eine kolossale Peinlichkeit wie heute Morgen um halb vier möchte ich mir gerne ersparen. Zehn Minuten versuchte ich vergeblich, meinen nigelnagelneuen Klettergurt zu montieren. Die Führer warfen sich schon Blicke zu.

Mit Erleichterung nehme ich daher zur Kenntnis, dass Bettina meinen Ausrutscher offenbar nicht mitbekommen hat. «Jetzt haben wir die Hälfte», sagt sie. Ich versuche nach oben zu blicken, ohne sofort das Gleichgewicht zu verlieren. «Prima, weiter geht’s!», sage ich. Denken tu ich: «Wenn das so weitergeht, du meine Güte, dann wird das aber hammerhart.»

Aber es geht nicht so weiter. Es wird schlimmer. Eine Stunde weiter oben kommt zur Felswand auch noch Eis dazu, und man muss Steigeisen montieren. Ausserdem wird er so kalt, dass man mit Handschuhen klettern muss. Wir befinden uns jetzt anscheinend am unteren Rand der Stelle, die «Dach» genannt wird. Schnell zeigt sich: Klettern mit Steigeisen ist ähnlich gewöhnungsbedürftig wie Wandern mit Schlittschuhen. Immerhin: Man sieht jetzt nicht mehr so genau, wie weit man runterfallen kann.

Als Vorbereitung für eine Besteigung des Matterhorns wird empfohlen, sich möglichst früh in die Höhe zu begeben. Vor einem möglichst frühen Eintreffen in der Hörnlihütte ist aber aus meiner Erfahrung abzuraten. Die Terrasse vor der Hütte fungiert als so etwas wie die Tribüne alpiner Gladiatorenspiele. Dutzende von Feldstechern sind an einem schönen Tag hinauf in die Ostwand gerichtet. Und sagt jemand: «Schon etwas heruntergekommen?», ist in aller Regel nicht von Steinlawinen die Rede.

Ausserdem kommt man in der Hörnlihütte schwer an denjenigen vorbei, die an diesem Tag am Matterhorn schon gescheitert sind. Und die Gescheiterten sind nicht diejenigen, die die Gefahr kleinreden würden. Ein Amerikaner berichtet mit weit aufgerissenen Augen von überhängenden Felsen und bestellt zur Beruhigung noch einmal einen halben Liter Bier.

Für Gipfel-Aspiranten psychologisch wirklich ungünstig ist aber, Kurt Lauber über den Weg zu laufen. Er ist der Mann, der weiss, was alles schiefgehen kann, richtig schief. Lauber ist seit 14 Jahren Hüttenwart der Hörnlihütte und seit Ewigkeiten stellvertretender Rettungschef von Zermatt.

«Sonst: Wusch!»

Es ist nachmittags gegen fünf. Auf dem Herd dampft ein grosser Topf Tee. Lauber hat sich hinter dem Tisch in der Küche eingerichtet und erzählt mit der Gelassenheit eines Zenmeisters, auf welche Weise einem das Matterhorn vorzugsweise ins Jenseits befördert. «Das Horu trügt. Es sieht weniger gefährlich aus als andere Berge. Aber es ist dafür überall gefährlich. Bei jedem Tritt. Und das acht Stunden lang. Man muss den Kopf immer bei der Sache haben. Sonst: Wusch!» Lauber lässt seine Handfläche auf einer steil abfallenden Bahn durch die Luft sausen.

Tödlich ist am Matterhorn meist nicht der Mangel an Können, tödlich ist die Selbstüberschätzung. Die meisten realisieren die Gefahr zwar spät, aber nicht zu spät. Früher verbrachten regelmässig ein Dutzend Bergsteiger, die die Kraft verlassen hatte, eine kalte Nacht am Berg. Heute gibt es das Handy. Die Handyanrufe kommen nach fünf, wenn es den Leuten zu dämmern beginnt, dass sie es nicht mehr runterschaffen werden.

Doch alle holt die Air Zermatt auch heute nicht herunter. «Wir kommen nur im Notfall.» Um den Ernst der Lage zu prüfen, hilft meist ein kleiner Ausblick auf die zu erwartenden Kosten der Rettungsaktion. Lauber: «Zuerst jammern alle: Dann sagt man ihnen, dass das aber 5000 Franken kosten kann. Und dann sagen sie: »

Üblich sind am Matterhorn Zweierseilschaften. Weil es zu lange dauert, sich überall zu sichern, fällt, wer fällt, sehr oft zu zweit. Das ist auch der Grund, warum die Zahl der Toten am Matterhorn meist eine gerade ist. Diesen Sommer sind es bisher acht. Schreien tun die, die stürzen, selten. Die Überraschung ist im ersten Moment grösser als der Schreck. Und später ist es zum Schreien zu spät.

Wer nicht wie ein Spanier am Tag zuvor schon auf den ersten Metern runterfällt und mit mehrfach gebrochenem Arm im Inselspital in Bern landet, der stürzt üblicherweise in die Ostwand. Die Ostwand, das ist Fels und Eis. Sie ist ausser ganz oben nicht senkrecht, sondern um die 50 Grad. Es gab schon Leute, die die Ostwand mit Ski bezwungen haben. Doch wer stürzt, ist in der Regel nicht mehr zu retten.

Schon bei einem Gefälle von 50 Grad ist die Beschleunigung fast so gross wie im freien Fall. Ein menschlicher Körper beschleunigt in solchem Gelände in drei Sekunden von null auf hundert. Nach einer Sekunde legt er bereits zehn Meter pro Sekunde zurück. Nach fünf Sekunden rast er theoretisch mit über 200 Kilometern pro Stunde in die Tiefe.

In der Praxis ist die Geschwindigkeit hingegen weniger gross. Es gibt Felsen, die im Wege stehen. Wer durch die Ostwand stürzt, schlägt, bis er 1000 Meter weiter unten auf dem Gletscher angekommen ist, ein Dutzend Mal auf. Dabei wird den Unglücklichen nicht nur der Rucksack und der Helm abgerissen, sondern auch die Kleider. Alle. Sogar die Socken. «Ganz unten sind sie immer nackt», sagt Lauber.

In den allermeisten Fällen fehlen den Verunglückten nach einem Sturz aber nicht nur alle Kleider, sondern auch Gliedmassen, ein Bein, der Arm, der ganze Unterleib, manchmal auch der Kopf, manchmal alles zusammen. Lauber: «Ich habe schon Ärzte erlebt, die den Anblick nicht ertragen haben.» Aus Rücksicht auf das Rettungspersonal muss man denjenigen also fast schon danken, die nicht nur die Ostwand runterfallen, sondern auch noch gleich in eine Gletscherspalte, um darin auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Im Eis des Gletschers, über den auch eine Skipiste führt, liegen mittlerweile schätzungsweise vierzig tiefgefrorene Leichen.

Stirbt jemand am Matterhorn, gibt es ein Dutzend Leute, die ihm dabei zusehen. Meistens mehr. Die Ostwand ist nicht nur von der Sonnenterrasse der Hörnlihütte mit ihrer Volksmusik und den Videokameras ausgezeichnet einzusehen. Auch vom Hörnligrat sieht man gut die ganze Ostwand hinunter. Ein Sturz kann bis zu 15 Sekunden dauern. Die Kletterer, die einen Sturz mitverfolgt haben, muss der Helikopter der Air Zermatt nachher in aller Regel auch zusammensammeln. «Ist einer runtergekommen, bewegt sich normalerweise keiner mehr von der Stelle», sagt Lauber.

Auch für die Retter ist der Aufenthalt am Berg riskant. Am Fusse der Ostwand herrscht höchste Steinschlaggefahr. Auf die Hörnli-Route hat der Klimawandel, abgesehen von einem grösseren Felssturz im Hitzesommer 2003, bisher kaum Auswirkungen. Auf die Ost- und Nordwand hingegen schon. In der Nordwand gibt es deutlich weniger Eis, vor allem das Sichern ist schwieriger geworden. Und die Durchsteigung der Ostwand gilt wegen des vermehrten Steinschlags heute fast schon als Selbstmordkommando.

Was von einem Bergsteiger noch übrig ist, wird von den Rettern daher so schnell wie möglich an eine Winde gehängt und erst bei einem Zwischenstopp in den Leichensack verpackt. Nicht bei der Hütte, sondern auf dem Gletscher, möglichst ohne Zuschauer. Lauber: «Würden wir das hier bei der Hütte tun, ginge nachher garantiert niemand mehr rauf.» Unnötig zu erwähnen, dass die Nacht nach dem Gespräch mit Kurt Lauber eine eher schlaflose war.

Beim zweiten Fixseil trifft Kazu die erste Attacke. Kazu ist der japanische Tourist vor uns am Seil. «You come up now, or we go down now!», ruft der Bergführer zu ihm herunter. Kazu strampelt mit seinen Steigeisen so verzweifelt auf den Felsen herum, dass die Funken sprühen. Eisstücke prasseln auf uns herab. «Next time you train and not just fly in!», brüllt der Bergführer jetzt noch ein bisschen lauter, ein Wunsch, der womöglich berechtigt ist, aber Kazu im Moment auch nicht viel weiterhilft.

Eine Art Kampfsport

Sieht aus, als könnte das ein bisschen dauern. Sehr gut, in meinen Fingern macht sich längst wieder der Krampf bemerkbar. Bettina sagt: «Machen wir doch eine Pause.» Habe mich selten mit dem Vorschlag einer Frau so einverstanden erklären können.

Das Schlangestehen am Matterhorn ist ein so beliebter Topos wie der «Japaner in Turnschuhen». Beides hat mit der Realität wenig zu tun. Eine Art Kampfsport ist eine Matterhorn-Besteigung allenfalls am Anfang, morgens um halb vier, wenn 100 Leute gleichzeitig aus der Hütte stürmen, um als Erste in der Wand zu sein. Nachher hätte ich gerne mehr gewartet. Und was die Japaner betrifft, die sind heute besser ausgerüstet als alle. Und am Vorabend machen sie vor der Hütte Yoga. Die Stilvollsten sind übrigens – wenig überraschend – die Italiener. Die haben sogar Seile in Armani-Schwarz. Underdogs gibt es noch immer, aber es sind heute andere.

Ganz allgemein nennen Bergführer alle, die sich ohne Führer ans Matterhorn wagen, «Grampi». Der Ausdruck geht auf das französische «Crampon» zurück, stammt aus der Zeit, als die Bergführer noch auf Nagelschuhe setzten, während sich die Touristen von den geschäftstüchtigen Sportartikelverkäufern schon hatten Steigeisen aufschwatzen lassen. Als Grampi hat man am Matterhorn nicht viel zu melden. Man steht grundsätzlich im Verdacht, sich zu überschätzen, den Weg nicht zu wissen und den Nachsteigenden Steine auf den Kopf regnen zu lassen.

Doch so richtig schlecht ist der Ruf der «Östeler», der Polen, Slowenen, Tschechen. Zu allen Unzulänglichkeiten, die den Grampini nachgesagt werden, haben die Östeler nämlich noch den Fehler, keine Einsicht in gute Ratschläge und kein Geld zu haben, so dass sie zuerst nicht die Hütte und zum Schluss auch die – in ihrem Fall ja sehr wahrscheinliche – Rettungsaktion nicht bezahlen können.

Die Diskreditierung führerloser Touristen und finanzschwacher Bergfreunde aus Osteuropa mag auch ihre wirtschaftlichen Gründe haben. Es gibt 90 Bergführer alleine in Zermatt. Der Tarif fürs Matterhorn ist 920 Franken. Doch die Statistik gibt den Bergführern recht. Mit Führer ist die Lebenserwartung unvergleichlich höher. Es ist Jahre her, seit ein Bergführer am Matterhorn verunfallt ist. Sechs der acht tödlich Verunglückten von diesem Jahr sind anderseits Osteuropäer.

Mit Steigeisen ins Bein

Und dann, es ist kurz vor acht Uhr früh, geht es plötzlich nicht mehr weiter. Der Gipfel, 4478 Meter über Meer, der siebthöchste Punkt Europas. Was es dort oben gibt? Wenig Platz und eine Statue des heiligen Bernhard mit einem Blitzableiter auf dem Kopf. Und es gibt minus fünf Grad am heissesten Tag des Jahres und einen Wind, der einem Murmeltier das Fell abziehen könnte.

Und was sonst noch so passierte: 30 Minuten unter dem Gipfel und drei Stunden vor der Hütte geht mir schon das Wasser aus. Kazu rasselt seinem Bergführer mit den Steigeisen ins Bein, worauf der von Bettina verarztet werden muss. Ich trete mit den Steigeisen aufs schwarze Designer-Seil von zwei Italienern, was gar nicht gut ankommt. Kazu donnert beim Abseilen böse an die Wand. Ich rutsche an zwei blöden Stellen aus, womit ich meine Chancen bei Bettina, die Klettergurt-Blamage wiedergutzumachen, wohl definitiv vergessen kann. In der Ostwand kommen die ersten Gerölllawinen des Tages runter, was sich anhört wie eine Kegelpartie in der Hölle. Und die Hütte kommt und kommt nicht näher.

Doch dann sagt Kazu plötzlich: «I enjoy!» Und zu meiner eigenen Verwunderung muss ich sagen: Ich eigentlich auch. Leben mag ja manchmal quälend sein. Überleben aber ist super.

Silvrettahorn

Am 17. Juli folgte dann die Besteigung des Silvrettahorn. Diese Tour von der Silvrettahütte aus war kürzer als die auf den Piz Buin. Trotzdem nicht weniger anstrengend. Der Aufstieg über den Silvrettagletscher normal, dann das steile, mit aufgeweichtem Schnee bedeckte Couloir hinaufklettern. Anstrengend und nicht ungefährlich! Dank umsichtiger Sicherung und herausragender Erfahrung unseres Bergführers schafften wir den Gipfel problemlos. Ein starker Fönsturm auf 3’244m, liess und schlotternd auf dem Gipfel verharren. Der Abstieg war heikel, weil steil und in weichem Schnee und erst noch mit 6 am Seil. Wohlbehalten kamen wir unten auf dem Gletscher an. Kurze Rast, dann zurück in die Silvrettahütte. Packen und abmarsch ins Tal und nach Hause.

Eine tolle Tour, empfehlenswert für etwas geübte „Alpinisten“. Vorzugsweise mit dem Bergführer zu begehen.

Hier noch ein paar Bilder:

silvrettahorn.jpg silvrettagipfel.jpg blickzum-buin.jpg gipfelkreuz.jpg vor-dem-silvrettacouloir.jpg

zu den Bildern:
1) Silvrettahorn vom Piz Buin aus gesehen
2) Gipfelrast im Föhsturm
3) Blick hinüber zum Piz Buin
4) Gipfelkreuz
5) Nach dem heiklen Abstieg, Stärkung auf dem Silvrettagletscher

Hier noch ein Link zu einem Silvretta 360 grad Bild!

Piz Buin | illegaler Grenzübertritt

Am 16. Juli sind wir von der Silvrettahütte aus gestartet. Die Route führte über den Silvrettagletscher hinauf zur Grenze zu Österreich. Weder ein österreichischer Grenzposten noch ein schweizer Gebirgsspezialist war zu sehen. Deshalb haben wir die Grenze halt illegal ins böse feindliche Ausland überschritten.

Die Route führte fast durchwegs über Gletscher. Einige leichte Kletterstellen waren zu überwinden. Schliesslich standen wir vor dem Piz Buin. Ein majestätischer Anblick. Der Aufstieg zum Gipfel forderte von uns einige AngstSchweisstropfen, gespickt mit ausgesetzten Kletterstellen (II Grad) ist er, gut gesichtert, jedoch nicht allzu schwer. Der Ausblick auf dem Gipfel war, dank aussergewöhlicher Fernsicht, atemraubend.

Der Rückweg auf gleichem Weg zurück in die Schweiz, im sulzigem Schnee war ermüdend. Eine Pinkelrast auf dem Silvretta Gletscher. Angeseilt bleiben lautet der Befehl von Bergführer Roland Frutiger. Deshalb schauen wir alle Richtung Schweiz. 😉

Nach gut 9 Stunden waren wir müde aber glücklich wieder in der Silvrettahütte

Hier noch ein paar ausgewählte Bilder:

roli-am-tisch.jpg sonnesilvrettagletscher.jpg bildmitte-pizbuin.jpg vordem-gipfelsturm.jpg gipfel.jpg klosters.jpg gletscherrast.jpg

Zu den Bildern:
1) Roland Frutiger entspannt vor dem Gipfelsturm in der SAC Hütte
2) Die Sonne kommt auf dem Silvrettagletscher, Sonneschutz montieren
3) Bildmitte im Hintergrund der Piz Buin
4) Stärken vor dem Gipfelsturm
5) Auf dem Gipfel, atemraubend mit einmaliger Fernsicht, dank Föhn
6) Blick vom Gipfel zurück in die Schweiz. Unsere Spur im Schnee und hinten ist Klosters zu sehen
7) Pinkelpause

Hochtour Piz Palü

dsc_0015.jpg

Diese Hochtour mit 5 Teilnehmern fand am 8. – 10. Juli statt.
Leider spielte das Wetter nicht mit. Ein Wintereinbruch mit 20 cm Neuschnee auf der Diavolezzahütte verhinderte, dass der Piz Palü bestiegen werden konnte.

Der Abstieg über den Morteratschgletscher war trotzdem ein eindruckvolles Erlebnis in dieser einzigartigen Region des Bündnerlandes.

start-im-nebel.jpg pause.jpg ev.jpg prepare.jpg

zur Entspannung noch ein Sprudelbad im höchstgelegenen Alpenpool Europas! 🙂

bad.jpg sprudelbad.jpg klettersteig.jpg
Das verwaiste Bad nach dem Schneefall!